USA verschärfen Sanktionen gegen Internationalen Strafgerichtshof

Reaktion auf Nobelpreis für Pillay:Neue US-Sanktionen gegen Internationalen Strafgerichtshof

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Die USA haben ihre Sanktionen gegen den Internationalen Strafgerichtshof verschärft. Kurz zuvor war die frühere IStGH-Richterin Pillay mit dem Friedensnobelpreis geehrt worden.

US-Außenminister Marco Rubio spricht am 8. Oktober 2026 vor dem Abflug nach Portugal am internationalen Flughafen Athen zu Vertretern der Presse.

Die frühere IStGH-Richterin und Friedensnobelpreisträgerin Navi Pillay warnt vor Angriffen auf das Völkerrecht und widmet die Auszeichnung den Opfern internationaler Verbrechen. Am selben Tag kündigen die USA neue Sanktionen gegen den Internationalen Strafgerichtshof an.

09.10.2026 | 3:33 min

Nach der Verkündung des Friedensnobelpreises, der dieses Jahr an die frühere Richterin am Internationalen Gerichtshof, Navi Pillay, geht, verschärfen die USA ihre Sanktionen gegen den Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag. Zuvor hatte es bereits US-Sanktionen gegen einzelne Richter und Ankläger des Weltstrafgerichts mit Sitz in Den Haag gegeben.

USA sperren Vermögenswerte des IStGH

Laut US-Außenministerium werden durch die Sanktionen jegliche Vermögenswerte des IStGH in den USA gesperrt und müssen dem US-Finanzministerium gemeldet werden. Die rund 900 Mitarbeiter des Gerichts könnten etwa keine Kreditkarten mehr nutzen oder in die USA reisen. US-Bürgern sind sämtliche Transaktionen mit dem Weltstrafgericht verboten.

Zugleich sollen die Sanktionen erst nach 180 Tagen in Kraft treten, "um substanzielle Fortschritte bei diplomatischen und rechtlichen Resolutionen nachzuweisen, die grundlegende Bedenken der USA hinsichtlich des Internationalen Strafgerichtshofs ausräumen".

Rubio: USA beschneiden Ressourcen des "Schurkengerichts"

US-Außenminister Marco Rubio erklärte, die USA würden "sämtliche Geschäfte mit diesem Schurkengericht verbieten, seine Ressourcen beschneiden und seine Handlungsfähigkeit entscheidend schwächen".

Internationaler Strafgerichtshof (ICC) in Den Haag

Bereits im August lösten US-Sanktionen gegen die Präsidentin des Internationalen Strafgerichtshofs international Kritik aus. Die EU und die Bundesregierung sehen dadurch das Völkerstrafrecht in Gefahr.

19.08.2026 | 0:37 min

Rubio begründete das Vorgehen unter anderem damit, dass die USA nie dem Gerichtshof beigetreten seien. "Wir brauchen ihn nicht. Und wir wollen ihn nicht", sagte er. "Jahrzehntelang" hätten Demokraten wie Republikaner die Idee abgelehnt, dass das Weltstrafgericht die Möglichkeit haben sollte, "amerikanische Staatsbürger, Angehörige des Militärs oder politische Anführer zu verfolgen".

Wir erwarten von unseren Verbündeten, von denen viele dem IStGH angehören und sich bei ihrer Verteidigung auf US-Soldaten verlassen, dass sie das Gericht zügeln.

Marco Rubio, US-Außenminister

Präsident Donald Trump hatte den IStGH im September als "Schurkeninstitution" bezeichnet und die Mitgliedstaaten aufgerufen, das Gericht zu isolieren. Nach Ermittlungen des Tribunals gegen Israel hatten die USA bereits mehrere Mitglieder des IStGH mit Sanktionen belegt.

Der Internationale Gerichtshof (IGH) während einer Anhörung im Rahmen des Antrags Südafrikas auf einen Waffenstillstand im Gazastreifen am 24. Mai 2024 in Den Haag, inmitten des anhaltenden Konflikts zwischen Israel und der Hamas-Bewegung.

Mit der Suche nach Gerechtigkeit legten die Nürnberger Prozesse vor über 80 Jahren den Grundstein für den heutigen Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag und damit für das internationale Völkerstrafrecht.

20.11.2025 | 2:56 min

Strafgerichtshof: Angriff auf die Rechtsordnung

Das Haager Tribunal verurteilte das US-Vorgehen scharf und nannte die Sanktionen einen "Angriff auf die Rechtsstaatlichkeit und auf die Grundlagen der internationalen Rechtsordnung". Sie widersprächen dem "Grundsatz, dass niemand über dem Gesetz steht".

Die Europäische Union sicherte dem Strafgerichtshof ihre volle Unterstützung zu. Brüssel werde "alle notwendigen Maßnahmen ergreifen", um dem Gericht die Fortsetzung seiner Arbeit zu ermöglichen, erklärte die EU-Kommission. Die Entscheidung Washingtons sei "zutiefst bedauerlich".

Um das Fortbestehen des Gerichtshofs zu sichern, könnte die Europäische Union es europäischen Unternehmen unter Androhung von Strafmaßnahmen verbieten, Geschäftsbeziehungen zum Gerichtshof allein wegen dieser US-Sanktionen abzubrechen. Betroffene Unternehmen hätten außerdem grundsätzlich Anspruch auf Ersatz von Schäden und Rechtskosten, die ihnen durch die US-Sanktionen entstehen.

Die EU-Kommission in Brüssel erklärte, die EU sei bereit, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um dem IStGH die Fortführung seiner Arbeit zu ermöglichen. Es gebe jedoch noch Spielraum für einen Dialog, da die Strafmaßnahmen erst in sechs Monaten wirksam würden.

Quelle: dpa


Nobelpreisträgerin Pillay: Internationales Völkerrecht unter Druck

Die Ankündigung der US-Regierung kam nur wenige Stunden, nachdem der Friedensnobelpreis an die südafrikanische Juristin Navanethem Pillay verliehen worden war. Pillay war von 2003 bis 2008 Richterin am Weltstrafgericht. Die Auszeichnung komme in einer Zeit, in der das internationale Völkerrecht immer stärker unter Druck gerate, sagte Pillay in einer ersten Erklärung nach ihrer Auszeichnung.

Diese sich verschlechternde Entwicklung zeigt sich besonders deutlich an den Angriffen auf den Internationalen Strafgerichtshof.

Navanethem Pillay, Friedensnobelpreisträgerin und ehemalige IStGH-Richterin

Die südafrikanische Juristin Navanethem „Navi“ Pillay spricht beim Nuremberg Forum in Nürnberg

Der Friedensnobelpreis geht dieses Jahr an die südafrikanische Juristin Navi Pillay. Sie wird für ihren Einsatz für Menschenrechte und Frieden ausgezeichnet.

09.10.2026 | 1:44 min

Bundesregierung verurteilt US-Sanktionen

Auch die Bundesregierung verurteilte die neuen US-Sanktionen gegen den IStGH scharf. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) sagte in Berlin:

Heute ist ein finsterer Tag für das internationale Recht und die Idee einer regelbasierten Weltordnung.

Stefanie Hubig (SPD), Bundesjustizministerin

Es sei eine "bittere Pointe", dass die USA den Gerichtshof ausgerechnet an dem Tag auf ihre Sanktionsliste gesetzt hätten, an dem einer ehemaligen Richterin des Gerichtshofs der Friedensnobelpreis zugesprochen wurde.

Navanethem Pillay

Der Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr an die südafrikanische Juristin Navanethem Pillay. Einschätzungen von ZDF-Reporter Henner Hebestreit.

09.10.2026 | 2:30 min

Deutschland und sieben weitere Staaten widersprechen US-Sanktionen

Die Außenminister der Bundesrepublik, Kanadas, Dänemarks, Frankreichs, Italiens, Japans, der Niederlande und Großbritanniens veröffentlichten eine gemeinsame Erklärung, in der es heißt:

Als engagierte Unterstützer des IStGH bedauern wir die Ankündigung von gegen den Gerichtshof gerichteten geplanten Sanktionen durch die Vereinigten Staaten und widersprechen ihr aufs Schärfste.

Auszug aus der Erklärung

Sollten diese in Kraft gesetzt werden, "werden sie erhebliche Auswirkungen auf die Arbeit des Gerichtshofs", auf die dort Tätigen und ihre Familien haben. Die Außenminister erklärten, sie blieben in ihrer Unterstützung für den IStGH "geeint" und wollten "mit Nichtvertragsstaaten in einem konstruktiven und inklusiven Dialog" stehen.

Quelle: AFP, dpa, Reuters
Über dieses Thema berichtete das ZDF in den "heute"-Nachrichten am 09.10.2026 ab 19 Uhr.

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