Stichwahl in Brasilien: Präsident Lula gewinnt gegen Bolsonaro

Bolsonaro fordert Annullierung der Wahl:Amtsinhaber Lula gewinnt Stichwahl in Brasilien

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Lula da Silva gewinnt die Präsidentschaftswahl in Brasilien. Sein unterlegener Herausforderer Flávio Bolsonaro will das Ergebnis nicht anerkennen und die Wahl annullieren lassen.

Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hält eine Rede nach seinem Wahlsieg.

Lula da Silva gewinnt die Präsidentschaftswahl in Brasilien. Sein unterlegener Herausforderer Flávio Bolsonaro will das Ergebnis nicht anerkennen und die Wahl annullieren lassen.

26.10.2026 | 2:16 min

Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat nach vorläufigen Zahlen die Stichwahl knapp gegen seinen rechten Herausforderer Flávio Bolsonaro gewonnen und sich damit eine weitere Amtszeit gesichert. Der 80-Jährige lag nach Auszählung fast aller Stimmen mit 51,75 Prozent zu 48,25 Prozent uneinholbar vorn, wie das Oberste Wahlgericht mitteilte.

Lula bezeichnete seinen Wahlsieg auch als Abstimmung über die Demokratie. Vor jubelnden Anhängern in São Paulo sagte er:

Die Brasilianer sind zur Wahl gegangen, weil es uns gelungen ist, sie davon zu überzeugen, dass die Wahl für die Sicherung der Demokratie sehr wichtig ist.

Luiz Inácio Lula da Silva, Brasiliens Präsident

Nach Bekanntgabe der Wahlergebnisse weigerte sich der unterlegene Bolsonaro, seine Niederlage einzugestehen, und kündigte an, eine Annullierung der Abstimmung zu beantragen. "Es ist unmöglich, das Ergebnis anzuerkennen", sagte Bolsonaro am Sonntag in Brasília.

timm-kroeger

Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva hat sich bei der Stichwahl in Brasilien gegen seinen Herausforderer Flávio Bolsonaro durchgesetzt. „Es war ein sehr knappes Rennen“, so Timm Kröger.

26.10.2026 | 3:10 min

Bolsonaro begründet Anfechtung mit längerer Wahlzeit

Zur Begründung verwies Bolsonaro auf die Verlängerung der Öffnungszeiten der Wahllokale. Die gerichtliche Verlängerung der Abstimmung war aufgrund von Problemen im öffentlichen Nahverkehr notwendig geworden - was Wähler mutmaßlich an der Stimmabgabe hinderte. Der Richter am Obersten Gerichtshof Cristiano Zanin hob zuvor die "Schwere der Vorfälle" hervor.

Lula hatte seine Forderung nach einer Verlängerung der Stimmabgabe damit begründet, dass am Wahltag in mehreren Städten Busse aus dem Verkehr gezogen worden seien. Auch Bolsonaro hatte sich für eine Verlängerung der Stimmabgabe ausgesprochen. Er verwies auf starke Regenfälle im Süden und Südosten Brasiliens, wo er besonders großen Rückhalt genießt.

Aus Sicht von ZDF-Korrespondent Timm Kröger ist es aber unwahrscheinlich, dass die komplette Wahl annuliert wird. Rechtsexperten hätten bereits gesagt, dass es für eine vollständige Annullierung sehr hohe Hürden gebe. Zudem sei die Wahl von wichtigen Institutionen wie dem Obersten Gerichtshof bereits anerkannt worden.

ZDF-Korrespondent: Lula mobilisierte Anhänger über soziale Medien

Zum Stichwahlerfolg Lulas sagte ZDF-Korrespondent Kröger, das Lula-Team habe nach der verlorenen ersten Wahlrunde Anfang Oktober "das Ruder komplett rumgerissen, hat komplett auf die sozialen Kanäle gesetzt". So sei ein WhatsApp-Kanal innerhalb kurzer Zeit von einigen Zehntausend auf elf Millionen Follower angestiegen. "Die Anhänger sind einfach mobilisiert worden." Zudem seien Zehntausende Anhänger Lulas auf die Straßen gegangen.

Gleichzeitig werde die vierte Amtszeit des 80-Jährigen nicht einfach, betonte Kröger. Denn Bolsonaros liberale Partei und die Verbündeten im Abgeordnetenhaus und im Senat hätten die Mehrheit und könnten Lula "das Leben in den nächsten vier Jahren durchaus schwer machen".

Bolsonaros Vater wegen Umsturzversuchs verurteilt

Lula war bereits von 2003 bis 2010 Staatschef. Flávio Bolsonaro sitzt seit 2019 im Senat und trat erstmals für das Präsidentenamt an. Sein Vater Jair Bolsonaro wurde vom Obersten Gericht wegen eines Umsturzversuchs zu mehr als 27 Jahren verurteilt und sitzt derzeit aus gesundheitlichen Gründen im Hausarrest.

In der ersten Wahlrunde lag der 45-jährige Flávio Bolsonaro mit mehr als zwei Millionen Stimmen vor dem Amtsinhaber. Auch im Kongress gewann die Rechte bei der ersten Wahlrunde deutlich an Stärke.

Im letzten Fernsehduell am Freitagabend stritten beide Kandidaten über Kriminalität, Staatsverschuldung, Sozialpolitik und Gesundheitsversorgung. Flávio Bolsonaro forderte etwa schärfere Strafen, eine Herabsetzung der Strafmündigkeit und eine chemische Kastration für wegen Sexualdelikten Verurteilte.

Lula verwies auf die soziale Bilanz seiner Regierung, darunter auf Erfolge bei Beschäftigung und Armutsbekämpfung. Während seine Anhänger mit ihm sozialen Aufstieg verbinden, sehen seine Gegner in ihm ein Symbol für politische und wirtschaftliche Probleme.

Demonstranten protestieren vor dem Hauptsitz von Meta in São Paulo gegen das Unternehmen. Sie halten ein Banner mit der Aufschrift „Meta, mischt euch nicht ein“.

Der Tech-Konzern Meta hat nach eigenen Angaben Gerichtsvorgaben zur Gleichbehandlung von Brasiliens Präsident Lula und Herausforderer Bolsonaro umgesetzt.

21.10.2026 | 0:26 min

Tausende bei Abschlusskundgebungen von Lula und Bolsonaro

Tausende Anhänger beider Kandidaten gingen am Samstag vor der Wahl auf die Straße. Lula da Silva fuhr am berühmten Strand von Copacabana in Rio de Janeiro auf der Ladefläche eines Lastwagens durch eine riesige Menge seiner Anhänger.

Sein Herausforderer Bolsonaro scharte in Belo Horizonte, der Hauptstadt des südöstlichen Bundesstaats Minas Gerais, Tausende Anhänger um sich.

Quelle: dpa, AP , AFP
Über das Thema berichtete das gemeinsame Morgenmagazin von ARD und ZDF am 26.10.2026 ab 5:30 Uhr.

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