Ohne die Eltern geht gar nichts:Der lange Weg zu Olympia - und wer ihn bezahlt
von Johannes Fischer
Der Weg eines Nachwuchstalents an die Spitze ist lang - und teuer. Jolina Reinhold hat mit 17 Jahren bereits viele Erfolge gefeiert. Doch der finanzielle Aufwand bleibt groß.
Jolina Reinhold trug bei der Eröffnungsfeier der Youth Olympic Games die deutsche Fahne.
Quelle: IMAGO / Aleksandar DjorovicWie viel müssen Familien investieren, um ein Talent bis an die Spitze zu bringen? Klar ist: Der Weg in den Leistungssport kann teuer werden. Selbst internationale Erfolge garantieren keine finanzielle Unabhängigkeit.
Jolina Reinhold, die bei den Youth Olympic Games in Dakar am Montag die erste Goldmedaille für Deutschland holte, ist ein Beispiel dafür. Mit drei Jahren begann die heute 17-Jährige mit Judo, inzwischen ist sie U18-Weltmeisterin. Ihr Vater Michael Reinhold beziffert die Ausgaben der Familie für ihre sportliche Entwicklung in 14 Jahren auf rund 50.000 bis 60.000 Euro.
Jolina Reinhold gewann ihr Finale gegen Indiens Khushbu Rajakbhai Darjada souverän.
02.11.2026 | 16:32 minAllein für Fahrten und Übernachtungen fielen in manchen Jahren 1.000 bis 2.000 Euro an, in einem besonders intensiven U15-Jahr sogar rund 5.000 Euro. Hinzu kamen Ausrüstung, Lehrgänge und Wettkampfreisen.
Wie Eltern den Nachwuchssport finanzieren und organisieren
Wie unterschiedlich die Kosten ausfallen, zeigt eine Studie im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums und des Bundesinstituts für Sportwissenschaft. Für Kinder und Jugendliche zwischen fünf und 15 Jahren errechneten die Forscher für 2019 jährliche Ausgaben von 1.428 Euro im Reiten, 654 Euro im Skifahren und 413 Euro im Fußball. Für Kampfsport waren es 482 Euro, für Schwimmen 207 Euro. Die Zahlen beziehen sich auf den allgemeinen Kinder- und Jugendsport, nicht speziell auf den Leistungssport.
Die Eröffnungsfeier der Youth Olympic Games in Dakar im Relive mit den Kommentatoren Meili Scheidemann und Sebastian Ungermanns.
31.10.2026 | 124:29 minWeil es von ihrem Heimatort keine vernünftige Busverbindung gab, fuhr ihr Vater Jolina täglich zum Training. Ihre Mutter kümmerte sich um Formulare, Impfungen und Reisen.
Meine Eltern haben mir eigentlich immer alles möglich gemacht.
Jolina Reinhold
Dazu gehörte auch finanzielle Unterstützung.
Erst seit ihrem Einstieg in die Spitzensportförderung der Bayerischen Polizei in Dachau erhält Reinhold ein eigenes Gehalt. "Das ist wirklich eine gute Möglichkeit, wenn man nach der sportlichen Karriere abgesichert ist", sagt sie. Doch trotz ihrer Erfolge ist sie weiter auf der Suche nach Sponsoren, die sie auf ihrem Weg unterstützen.
Wer die Kosten im Nachwuchsleistungssport trägt
Wie groß die finanzielle Belastung für Familien ist, kann auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) nicht genau beziffern.
Solche Zahlen gibt es nicht, weil die Kosten von Sportart zu Sportart unterschiedlich sind.
Jens Christoph Pech, DOSB-Ansprechpartner für den Nachwuchsleistungssport
Ein Eishockeytorwart habe zwangsläufig höhere Ausrüstungskosten als ein Schwimmer, der im Wesentlichen Badehose, Badekappe und Schwimmbrille benötige, so Jens Christoph Pech, DOSB-Ansprechpartner für den Nachwuchsleistungssport.
Erstmals brennt das olympische Feuer in Afrika: Rund 2.700 Youngster starten im Senegal. Die deutschen Wettkämpfe gibt es live im ZDF-Stream.
20.10.2026 | 2:15 minPech geht davon aus, dass die Kosten für Eltern in jungen Jahren tendenziell höher sind als später im Bundeskader. Landesfachverbände erheben Eigenbeteiligungen, etwa für Trainingslager von Landeskadern. Im Bundeskader sollten die Spitzenverbände den Großteil der Maßnahmen für Nationalmannschaftslehrgänge finanzieren. Auch die Deutsche Sporthilfe spielt eine Rolle.
Wie soziale Herkunft die Chancen im Leistungssport beeinflusst
Jeder junge Mensch mit sportlichem Talent müsse unabhängig von sozialer Herkunft und Einkommen der Eltern die Möglichkeit bekommen, seine Sportart auszuüben, sagt Pech. Dass dies vollständig gelinge, glaube er allerdings nicht. "Da muss man realistisch sein."
Eine möglichst breite Förderung und späte Selektion erfordern erhebliche Mittel. "Je später man selektiert, desto mehr Ressourcen braucht man, um alles zu finanzieren", erklärt Pech. Wie viele Talente ihre Leistungssportkarriere aus sozialen Gründen beenden, lasse sich nur schwer ermitteln. Ein Rückzug könne viele Ursachen haben - etwa nachlassende Leistungen oder die Entscheidung für Schule und Ausbildung.
Jolina Reinhold hat ihre ersten großen Träume bereits verwirklicht: Der nächste heißt Olympia. Bis Los Angeles 2028 liegt allerdings noch viel Arbeit vor ihr - auf der Judomatte und bei der Suche nach Unterstützern. Denn auch mit ihren beiden Goldmedaillen ist der Weg zur finanziellen Unabhängigkeit noch lange nicht geschafft.