CDU-Ministerpräsident:Boris Rhein: AfD soll Ausschuss-Vorsitze übernehmen können
"Die Partei ist gewählt": Hessens Ministerpräsident Rhein würde der AfD den Vorsitz von Ausschüssen auch im Bundestag überlassen - seine eigene Partei widerspricht ihm jedoch.
Hessens Ministerpräsident Rhein spricht sich dafür aus, dass AfD-Kandidaten Vorsitze von Bundestagsausschüssen übernehmen können. Die AfD sei gewählt – und so solle man auch mit ihr umgehen.
04.10.2026 | 0:20 minWenn es nach Boris Rhein geht, soll die AfD in Zukunft auch den Vorsitz in Ausschüssen des Bundestags bekommen. Das forderte der hessische Ministerpräsident und CDU-Chef in einem Interview mit dem Stern.
Die Partei ist gewählt, und so sollte man mit ihr auch umgehen.
Boris Rhein, Ministerpräsident und CDU-Chef in Hessen
Seiner Auffassung nach "sollte zum Beispiel die AfD im Bundestag - so wie im Landtag von Hessen und anderen Ländern üblich - Ausschussvorsitze übernehmen können", sagte der Chef der CDU Hessen. "Mir ist wichtig: Wir grenzen uns klar von der AfD ab, aber wir grenzen die Partei nicht aus. Das muss auch in der Parlamentsarbeit gelten."
Rechtsexperten sind sich über die Einleitung eines AfD-Verbotsverfahrens uneins. Bis in den späten Abend hat der Justizausschuss des Thüringer Landtags zur Anhörung geladen.
01.10.2026 | 1:52 minUnionsfraktion widerspricht Rhein - SPD auch
Die Parlamentsgeschäftsführerin der Unionsfraktion, Catarina dos Santos-Wintz, lehnte den von Rhein vorgeschlagenen Kurswechsel ab. "Es gibt keinen Anspruch auf einen Ausschussvorsitz", erklärte sie am Sonntag gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. "Die Ausschussmitglieder wählen ihre Vorsitzenden selbst", betonte dos Santos-Wintz.
Im Deutschen Bundestag konnten sich Abgeordnete der AfD mit ihrem Angebot ganz offensichtlich nicht durchsetzen. Das kann in Landtagen durchaus anders sein.
Catarina dos Santos-Wintz, Parlamentsgeschäftsführerin der Unionsfraktion
Ähnlich argumentierte der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Sebastian Fielder. "Ich verstehe nicht, welches Problem Boris Rhein hat", erklärte Fiedler auf AFP-Anfrage. Die bislang von der AfD vorgeschlagenen Kandidaten hätten in den Ausschüssen nicht die nötige Mehrheit erhalten. "Der Grund dafür liegt bei den Kandidierenden und nicht etwa bei den Mitgliedern der Ausschüsse", erklärte Fiedler. "Anderenfalls würden sie ja eine Mehrheit erhalten."
Der SPD-Politiker kritisierte es als "einigermaßen bedenklich, dass der hessische Ministerpräsident gleich auf mehrere der Narrative der AfD hereinfällt". Wenn Rhein fordere, die AfD politisch zu stellen, dann unterschlage er, "dass man Parteien nur politisch besiegen kann, wenn sie sich - wie alle anderen - an die Spielregeln halten", erklärte Fiedler.
Die AfD profitiert wie keine andere Partei in Deutschland von den Wellen an Falschinformationen, Desinformationen und Manipulationen, die der russische Informationskrieg im deutschsprachigen Raum ausgelöst hat.
Sebastian Fielder, innenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion
AfD-Kandidaten erhielten im Bundestag keine Mehrheit
Die AfD hat im Bundestag wie andere Fraktionen das Vorschlagsrecht für den Vorsitz mehrerer Fachausschüsse. Die von ihr aufgestellten Kandidaten erhielten jedoch bei den jeweiligen Wahlen nicht die Stimmen der Abgeordneten anderer Parteien und verfehlten deswegen die notwendigen Mehrheiten.
Ulrich Siegmund will sich im Dezember zum Ministerpräsidenten wählen lassen, ihm fehlen dazu drei Stimmen. Zeitgleich berät der Thüringer Landtag über ein AfD-Verbotsverfahren.
30.09.2026 | 2:50 minBoris Rhein gegen AfD-Verbot
Rhein sprach sich gegen die Einleitung eines AfD-Verbotsverfahrens aus. "Ich rate dazu, die AfD nicht juristisch zu bekämpfen, sondern politisch", sagte er dem Magazin.
"Wir müssen ein besseres Angebot machen und wieder die Deutungshoheit über die Alltagsfragen in unserem Land erlangen."
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