Guillain-Barré-Syndrom:Wenn Arme oder Beine plötzlich taub oder gelähmt sind
von Anja Braunwarth
Fußballer Markus Babbel saß zeitweise im Rollstuhl, Eishockeytrainer Bill Peters musste in eine lange Reha. Der Grund: das Guillain-Barré-Syndrom, eine schwere Nervenerkrankung.
Plötzlich ausgebremst durch eine Schwäche in Armen oder Beinen: Das ist typisch für ein Guillain-Barré-Syndrom. Felix Wachter erlebte das mit Mitte 20.
26.10.2026 | 5:08 minErst werden die Beine schwach oder kribbeln, dann lassen sie sich nicht mehr bewegen. Die Lähmungen breiten sich im Körper nach oben aus und können auf lebenswichtige Organe übergreifen. So äußert sich das Guillain-Barré-Syndrom, kurz GBS.
Die seltene neurologische Erkrankung trifft ein bis zwei Menschen pro 100.000 Einwohner, meist zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr. Männer erkranken etwas häufiger als Frauen.
Wie ein Guillain-Barré-Syndrom entsteht
Die genaue Entstehung eines GBS ist nicht geklärt. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Autoimmunkrankheit, bei der sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper richtet.
Ein epileptischer Anfall kann wie ein Blitz aus heiterem Himmel in jedem Alter auftreten. Alexander Seibel ist 22, als er die erste schwere Attacke erleidet.
05.10.2026 | 5:12 minIn den meisten Fällen geht dem GBS eine Infektionskrankheit voraus. Sie löst eine normale Immunreaktion zur Abwehr der Infektion aus, die sich dann plötzlich gegen das Nervensystem richtet, erklärt Veit Rothhammer von der Neurologischen Klinik am Universitätsklinikum Erlangen.
Betroffen sind typischerweise die motorischen, also die für die Bewegung zuständigen Nerven oder die für das Fühlen zuständigen sensiblen Nerven.
Prof. Dr. Veit Rothhammer, Neurologe
Dieser Angriff auf die Nerven führt für gewöhnlich schon nach wenigen Tagen zu Beschwerden.
Am häufigsten entwickelt sich ein Guillain-Barré-Syndrom nach einer Infektion. Etwa ein Drittel der Fälle werden nach einer Darminfektion durch das Bakterium Campylobacter jejuni beobachtet. Unter den viralen Auslösern dominieren Herpesviren, sie sind bei etwa zehn Prozent der Betroffenen verantwortlich.
Zu weiteren möglichen begünstigenden Faktoren eines GBS zählen Impfungen, zum Beispiel gegen Influenza, Polio oder Tetanus, Schwangerschaften oder Operationen an Gelenken, Magen-Darm und Herz.
Der Körper bildet dann Antikörper gegen die Nervenzellen und ihre Schutzhüllen und beschädigt sie so. Dadurch können die Nerven ihre Impulse für Bewegungen und Empfindungen nicht mehr richtig übertragen.
Symptome eines Guillain-Barré-Syndroms
Meistens beginnt das GBS mit einem Schwächegefühl in Füßen und Beinen, oft begleitet von Missempfindungen wie einem Kribbeln. Innerhalb weniger Tage kommen symmetrische Lähmungen in beiden Beinen dazu, fast immer begleitet von Schmerzen.
Lokal begrenzte Muskelverhärtungen und ausstrahlende Schmerzen können auf ein myofasziales Schmerzsyndrom hinweisen. Wie die richtige Diagnose hilft, Fehlbehandlungen zu vermeiden.
02.06.2026 | 5:18 minDie Lähmungen breiten sich dann im Körper weiter nach oben aus. Sie können auf Arme, Kopf oder auch Atem- oder Schluckmuskulatur übergreifen und schnell lebenswichtige Funktionen beeinträchtigen.
Etwa zehn Prozent der Patienten brauchen dann eine intensivmedizinische Therapie, inklusive einer Beatmung.
Prof. Dr. Veit Rothhammer, Universitätsklinikum Erlangen
In sehr schweren Fällen können die Nervenschäden das vegetative Nervensystem und damit innere Organe beeinträchtigen. Mögliche Folgen sind starke Schwankungen von Blutdruck und Puls oder Störungen von Blasen- und Darmfunktion.
ALS ist eine unheilbare Erkrankung des zentralen Nervensystems. Dabei gehen Nervenzellen, die für verschiedene Muskelgruppen zuständig sind, zugrunde. Die Krankheit endet immer tödlich. Eine Gentherapie kann den Krankheitsverlauf verlangsamen.
19.06.2026 | 5:06 minSo wird GBS diagnostiziert
Schon die typischen Symptome wecken den Verdacht auf ein GBS. Bei der Untersuchung fallen schwache oder fehlende Reflexe auf. Sehr oft lässt sich eine vorausgegangene Infektion ermitteln.
Eine Untersuchung des Nervenwassers (Liquors) kann weiteren Aufschluss geben. Dort zeigt sich beim GBS ein stark erhöhter Eiweißwert, während die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) nicht angestiegen sind.
Ergänzend stützen Messungen der Nervenleitgeschwindigkeit und der Reaktion der Muskeln darauf die Diagnose. Manchmal lassen sich die verantwortlichen Antikörper im Blut nachweisen.
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27.08.2026 | 5:13 minWie das Guillain-Barré-Syndrom behandelt wird
Weil das GBS auf lebenswichtige Organe übergreifen kann, müssen die Patienten umgehend stationär überwacht werden. Eine spezifische Therapie gibt es nicht.
Behandelt wird je nach Ausmaß mit Schmerzmitteln, Physiotherapie, künstlicher Ernährung und/oder Beatmung. In schweren Fällen kann eine Art Blutwäsche helfen. Eine Alternative ist die Gabe sogenannter Immunglobuline.
Als Blutwäscheverfahren kommt beim GBS die Plasmapherese zum Einsatz. Dabei trennt man den flüssigen Anteil des Blutes, das Plasma, von den Zellen. Das Plasma und die darin befindlichen krankmachenden Antikörper werden dann herausgefiltert. Als Ersatz für das eigene Plasma bekommen die Patienten entweder eine Proteinlösung oder das Plasma von gesunden Spendern.
Immunglobuline sind Konzentrate von Antikörpern gesunder Spender, die in hoher Dosis intravenös verabreicht werden. Mit ihnen soll die falsche Immunreaktion des Körpers so verändert werden, dass die GBS-auslösenden Antikörper weniger aktiv sind.
So verläuft das Guillain-Barré-Syndrom
Das GBS verläuft individuell sehr unterschiedlich. Im Allgemeinen klingen die Lähmungen nach etwa zwei Monaten langsam ab. Um Nerven und Muskeln zu trainieren, ist eine langandauernde Rehabilitation in der Regel unverzichtbar.
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29.05.2026 | 5:12 minEtwa die Hälfte der Betroffenen gewinnt damit nach einem Jahr wieder all ihre Funktionen zurück. Durch kontinuierliches Training sind aber auch später noch Besserungen zu erwarten.
Nach etwa fünf Jahren haben etwa 70 bis 80 Prozent der Patienten wieder ihr altes Funktionsniveau erreicht.
Prof. Dr. Veit Rothhammer, Neurologe
Auch Fußballspieler Markus Babbel und Eishockeytrainer Bill Peters haben sich nach intensiver Behandlung von ihrem GBS erholt. Beide konnten wieder in ihre Berufe zurückkehren.
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