Ex-BND-Chef Hanning kommt in Untersuchungshaft

Bundesgerichtshof:Spionageverdacht: Ex-BND-Chef Hanning kommt in U-Haft

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Dem früheren BND-Präsidenten Hanning wird Spionage und Landesverrat vorgeworfen. Jetzt hat ein Ermittlungsrichter entschieden, dass er in Untersuchungshaft kommt.

Fahrzeuge verlassen am 7. Oktober 2026 den Bundesgerichtshof in Karlsruhe.

Ein Ermittlungsrichter hat Untersuchungshaft für Ex-BND-Chef August Hanning angeordnet. Dem früheren Geheimdienstchef werden Spionage und versuchter Landesverrat vorgeworfen.

07.10.2026 | 0:24 min

Der unter Spionageverdacht stehende Ex-BND-Präsident August Hanning muss in Untersuchungshaft. Hanning war am Dienstag in Nordrhein-Westfalen festgenommen worden. Ein Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs (BGH) in Karlsruhe habe den Haftbefehl gegen den 80-Jährigen in Vollzug gesetzt, sagte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft. Sie wirft ihm geheimdienstliche Agententätigkeit, landesverräterische Ausspähung, Auskundschaften von Staatsgeheimnissen und versuchten Landesverrat vor.

Komplize Manfred D. war bereits in U-Haft

Hannings früherer Büroleiter beim Bundesnachrichtendienst (BND), Manfred D., war bereits am Vortag wegen Beihilfe zum versuchten Landesverrat und zur landesverräterischen Ausspähung in U-Haft gekommen.

Sie sollen den Angaben zufolge vermutlich 2010 vereinbart haben, dass der Ex-Büroleiter dem fünf Jahre zuvor aus dem Amt geschiedenen Hanning gegen Bezahlung fortlaufend wertvolle BND-Erkenntnisse besorgen solle. Diese Infos soll Hanning gewinnbringend bei seiner Beratertätigkeit verwertet haben.

ZDF-Korrespondet Klaus Brodbeck in Berlin

"Der Schaden ist enorm", sagt ZDF-Korrespondent Brodbeck zum Fall Hanning.

06.10.2026 | 1:25 min

Hanning soll fast 2.000 geheime Dokumente weitergegeben haben

Nach dem Stand der Ermittlungen soll D. seinem früheren Chef bis Juni 2022 annähernd 2.000 Dokumente zur Verfügung gestellt haben. Demnach hätte Hanning über einen Zeitraum von möglicherweise zwölf Jahren über Informationen verfügt, die ausschließlich für interne Angelegenheiten des deutschen Auslandsgeheimdienstes gedacht waren.

In einem Fall soll er geheime Informationen genutzt haben, um für den Mitarbeiter eines fremden nachrichtendienstlichen Sicherheitsapparates eine Analyse zu erstellen. "Ob das Produkt den Adressaten erreichte, ließ sich bislang nicht feststellen", teilte die Bundesanwaltschaft mit. Um welches Land es geht, blieb offen.

Nach Auskunft von Hannings Anwalt befand sich sein Mandant zwar im Besitz vertraulicher Unterlagen:

Unzutreffend ist allerdings der Vorwurf, er habe darin enthaltene Informationen zum Nachteil der Bundesrepublik Deutschland - geschweige denn gegen Bezahlung - weitergegeben.

Leon Kruse, Rechtsanwalt

Die weiteren Ermittlungen würden das zeigen. "Mein Mandant wird zu Unrecht verfolgt", betonte Kruse.

Henrichmann: "Alles auf den Kopf stellen"

Der Chef des Parlamentarischen Kontrollgremiums für die Nachrichtendienste, Marc Henrichmann (CDU), sagte dazu im ZDF heute journal: "In Gänze wissen auch wir das noch nicht." Henrichmann forderte eine umfassende Aufklärung der Spionagevorwürfe. "Da gilt es jetzt, alles auf den Kopf zu stellen."

SGS Heinrichmann

"Wir müssen für die Zukunft unsere Lehren ziehen", so der Vorsitzende des Bundestagsgremiums zur Kontrolle der Geheimdienste, Henrichmann, zur Festnahme von Ex-BND-Chef Hanning.

06.10.2026 | 5:32 min

Hanning leitete den Bundesnachrichtendienst von 1998 bis 2005, danach war er Staatssekretär im Bundesinnenministerium. Im Anschluss wechselte Hanning in die Privatwirtschaft und arbeitete als Sicherheitsberater.

SPD und Grüne fordern scharfe Karenzregeln

Auch Politiker von Grünen und SPD sehen hier Bedarf zum Handeln. Der Vizepräsident des Deutschen Bundestags, Omid Nouripour, sagte dem "Kölner Stadt-Anzeiger":

Der Fall Hanning zeigt, wie sensibel privatwirtschaftliche Beratungsjobs ehemaliger höchster Geheimnisträger sind.

Omid Nouripour, die Grünen, Vizepräsident des Deutschen Bundestags

Die Bundesregierung sollte Anschlussjobs von hohen Geheimdienstmitarbeitern prüfen und ihnen nach Ausscheiden aus dem Amt Lobby-Tätigkeiten im Sicherheitsbereich untersagen, forderte Nouripour.

Die SPD-Innenpolitikerin Sonja Eichwede forderte "eine lebenslange Karenzzeit" für ehemalige führende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Nachrichtendiensten.

Quelle: dpa, ZDF
Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress am 07.10.2026 um 15 Uhr im Beitrag "August Hanning muss in Untersuchungshaft".

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