CDU-Ministerpräsidenten: "Gemeinsam mit dem Bundeskanzler"

Überraschende Erklärung:CDU-Ministerpräsidenten: "Gemeinsam mit dem Bundeskanzler"

|

Kanzler Merz steckt in der Krise und freut sich über Rückendeckung. Die CDU-Ministerpräsidenten haben sich in der Personaldebatte zu Wort gemeldet - mit überraschendem Inhalt.

Tankstelle

Der Druck auf Bundeskanzler Merz ist derzeit groß. Unterstützung erhält er nun von allen CDU-Ministerpräsidenten, die Personaldiskussionen eine klare Absage erteilen.

16.09.2026 | 2:37 min

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat die Erklärung der acht CDU-Ministerpräsidenten zur parteiinternen Personaldebatte als Unterstützung für sich gewertet. "Der Bundeskanzler begrüßt die Unterstützung der Ministerpräsidenten", heißt es aus seinem Umfeld. Sie hätten damit "Verantwortung für Deutschland gezeigt". Es gehe um Stabilität und Glaubwürdigkeit bei der Erneuerung des Landes.

Zuvor hatten sich alle acht Ministerpräsidenten der CDU vor dem Hintergrund der Spekulationen über die politische Zukunft des Kanzlers gegen Personaldiskussionen gewandt.

"Die Menschen können darauf vertrauen, dass wir ihre Probleme angehen. Als Ministerpräsidenten wollen und werden wir gemeinsam mit dem Bundeskanzler unseren Beitrag dazu leisten", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung, die dem ZDF vorliegt. Unterzeichnet haben sie:

  • Daniel Günther (Ministerpräsident Schleswig-Holstein)
  • Michael Kretschmer (Sachsen)
  • Boris Rhein (Hessen)
  • Gordon Schnieder (Rheinland-Pfalz)
  • Sven Schulze (Sachsen-Anhalt)
  • Mario Voigt (Thüringen)
  • Kai Wegner (Berlin)
  • Hendrik Wüst (NRW)

Der Weg zu neuem Vertrauen der Menschen in die Christdemokratie führe über das Zuhören und politisches Handeln, nicht über Personaldiskussionen.

Das politische Deutschland braucht jetzt mehr denn je Stabilität. In dieser Lage kommt es jetzt auf die Geschlossenheit, die Tatkraft und einen klaren Kurs der deutschen Christdemokratie an.

Erklärung der CDU-Ministerpräsidenten

ZDF-Hauptstadtkorrespondentin Andrea Maurer trägt einen Khaki-farbenen Anzug. Sie steht in einem gut beleuchteten ZDF-Nachrichten Studio.

Seit der Wahlniederlage in Sachsen-Anhalt geht das Gerücht eines Kanzlertauschs um. Friedrich Merz stehen mehrere Optionen offen, darauf schnell zu reagieren.

15.09.2026 | 2:13 min

CDU setzt auf "Verlässlichkeit und entschlossenes Handeln"

In der Erklärung werden drei gemeinsame Grundüberzeugungen der Regierungschefs genannt:

  • Auch in Zukunft brauche das Land eine stabile und handlungsfähige Bundesregierung mit eigener Mehrheit im Bundestag. Die CDU Deutschlands stehe seit ihrer Gründung wie keine zweite Partei für "das Erfolgsmodell der deutschen Koalitionsdemokratie". Angesichts der anstehenden Wahlen in anderen europäischen Ländern im nächsten Jahr werde es umso mehr "auf ein stabiles und starkes Deutschland im geeinten Europa ankommen".
  • Die CDU Deutschlands sei zur Zusammenarbeit mit allen demokratischen Kräften bereit.
  • Deutschland brauche Verlässlichkeit und entschlossenes Handeln. "Vertrauen wird wieder entstehen, wenn Politik die Probleme und Fragen löst, die die Menschen in ihrem Alltag beschäftigen." Das sei die feste Überzeugung der Ministerpräsidenten aus der CDU und "die gemeinsame Verantwortung aller Christdemokraten für unser Land".

CDU-Generalsekretärin: Jetzt "voller Fokus auf Inhalte"

Nach der Positionierung der CDU-Ministerpräsidenten rief die Generalsekretärin der Partei, Franziska Hoppermann, ihre Partei auf, sich auf Inhalte zu konzentrieren. "Die Union steht geschlossen. Wir haben als Christdemokraten die Aufgabe, unser Land aus dieser schwierigen Zeit zu führen", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.

Das gehe nur "mit Disziplin, einem klaren Kurs und Rückendeckung für unseren Bundeskanzler Friedrich Merz", so Hoppermann. Jetzt müsse der "volle Fokus auf Inhalten und Umsetzung unserer Politik" liegen. "Dafür stehen wir gemeinsam in der Verantwortung."

Wulf Schmiese | Stellv. Leiter ZDF-Hauptstadtstudio

"Es geht um die Zukunft von Friedrich Merz", sagt der stellvertretende Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios Wulf Schmiese mit Blick auf die Landtagswahlen. Unabhängig davon müssten die Reformen weitergeführt werden.

16.09.2026 | 4:37 min

Unionsfraktionschef Thorsten Frei (CDU) betonte zudem, dass Merz noch über Rückhalt in der Fraktion im Bundestag verfüge. Auf die Frage, ob die Fraktion unumstößlich hinter dem Kanzler stehe, sagte Frei den Sendern RTL und ntv: "Ja, das ist so, und wir sind uns völlig im Klaren darüber, dass wir gemeinsam diese Herausforderungen in der Koalition und gemeinsam mit der SPD lösen müssen." Er sei sich "sicher", dass Merz auch noch in der Woche nach den Landtagswahlen Kanzler sein werde.

Zweifel in der SPD an CDU-Rückhalt für Merz

SPD-Bundesvize Alexander Schweitzer zweifelt hingegen an der Rückendeckung der CDU-Ministerpräsidenten in dem Schreiben an Merz. "Ich weiß nicht, wer es geschrieben hat, wer es tatsächlich formuliert hat, aber irgendjemandem ist nicht eingefallen, wie der aktuelle Kanzler heißt", sagte der frühere rheinland-pfälzische Ministerpräsident Schweitzer in der Landespressekonferenz in Mainz. "Der Name Friedrich Merz kommt nicht vor in dem Schreiben."

Weiter sagte Schweitzer: "Wäre ich Trainer eines Fußballvereins und mein Vorstand hätte mir mit diesem Schreiben dokumentieren wollen, dass ich auch für die nächste Saison der Trainer bleibe, dann würde ich mir wahrscheinlich schon überlegen, wo meine Sporttasche steht."

Wulf Schmiese | Stellv. Leiter ZDF-Hauptstadtstudio

"Es geht um die Zukunft von Friedrich Merz", sagt der stellv. Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios Wulf Schmiese mit Blick auf die Landtagswahlen. Unabhängig davon müssten die Reformen weitergeführt werden.

16.09.2026 | 4:37 min

Quelle: ZDF, dpa
Über die Kanzler-Personaldebatte berichtete das ZDF-Morgenmagazin am 16.09.2026 ab 05:30 Uhr und ZDFheute in dem Beitrag "Wie viel Rückhalt hat Merz in der CDU?" am 15.09.2026 um 23:48 Uhr.

Mehr zu Friedrich Merz

  1. Kanzlerkrise in der CDU - Wie viel Rückhalt hat Friedrich Merz noch?

  2. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sitzt im Deutschen Bundestag bei der 92. Bundestagssitzung - Haushaltswoche

    Politik | Berlin direkt:Kanzler Merz unter Druck

    von Daniel Pontzen
    Video4:12

  3. Friedrich Merz und Boris Rhein (Archivfoto)

    Debatte um angeblichen Kanzlertausch:Merz erhält Rückendeckung aus der CDU-Spitze


  4. Berlin: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU, r-l) verfolgt die Debatte neben Lars Klingbeil (SPD), Bundesminister der Finanzen, und Alexander Dobrindt (CSU), Bundesinnenminister, im Bundestag.

    Kann sich der Kanzler halten?:Merz intern unter Druck: Was ihn schwächt, was ihn stärkt

    mit Video2:41