Konflikt mit China: Das ist Taiwans "erste Verteidigungslinie"

Konflikt mit Volksrepublik China:Taiwan: Diese Inseln sind die "erste Verteidigungslinie"

ZDF-Korrespondentin Elisabeth Schmidt in Peking

von Elisabeth Schmidt, Peking

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"Wer Penghu kontrolliert, kontrolliert die Taiwan-Straße", heißt es oft in Taiwan. Ab heute probt der demokratische Inselstaat den Ernstfall: eine Invasion der Volksrepublik China.

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China beansprucht Taiwan als eigenes Gebiet - die Spannungen bleiben hoch. Taiwan übt jährlich auf den Penghu-Inseln eine mögliche Invasion und die Umstellung auf Kriegswirtschaft.

05.08.2026 | 2:34 min

Kristallklares Meer, ein Paradies für Wassersportler und Strandurlauber - das ist die Inselgruppe Penghu, die sich in der Taiwan-Straße befindet. Sie liegt etwa 50 Kilometer entfernt von der taiwanischen Hauptinsel und 150 Kilometer vom chinesischen Festland. Taiwans Militär rüstet auf Penghu zurzeit auf: Panzer, Artillerie-Stellungen, eine bestehende Drohneneinheit soll zu einem Drohnenbataillon ausgebaut werden. Zudem wurden amphibische Aufklärungskräfte, die sogenannten "Sea Dragon Frogmen", hierhin verlegt. Der Grund: Auch China hat Interesse an der Inselgruppe.

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Ein "kriegerischer Akt" Chinas gegen Taiwan sei möglich, so Politikwissenschaftler Andreas Fulda. Europa müsse Taiwan unterstützen.

05.08.2026 | 5:17 min

Penghu strategisch wichtig

Liu Hsin-Chih hat bei den "Frogmen" gedient. Heute ist er in "Rente", arbeitet auf Penghu als Tauchlehrer. Als Veteran darf er mit uns über die "Frogmen" sprechen. Er sagt, er wurde in seiner Elite-Einheit darauf vorbereitet, im Kriegsfall gegnerische Schiffe zu sabotieren und gefährdete Personen zu evakuieren.

Penghu wird jetzt als die erste Verteidigungslinie Taiwans gesehen. Die Annahme ist: Sollte China angreifen, dann ist Penghu das erste Ziel, und wir glauben das auch.

Liu Hsin-Chih, ehem. taiwanischer Elite-Soldat

… heißt ein Propaganda-Film, der in der Volksrepublik China erst vor wenigen Tagen veröffentlicht werden sollte. Ein Herrscher der Qing-Dynastie erobert darin erst Penghu mit Gewalt, dann Taiwan - ein "Wiedervereinigungs"-Blockbuster.

Warum der Film bislang noch nicht in die Kinos kam, wurde bislang nicht offiziell kommentiert. Auf Chinas sozialen Medien gab es zuvor Kritik. Die Qing-Dynastie wird unter Han-Chinesen kritisch gesehen, weil diese nicht von den Han, sondern der ethnischen Minderheit der Mandschu regiert wurde.


Experte: USA-Unterstützung nicht sicher

Shen Ming-Shih ist Militärexperte und arbeitet am Institut für Nationale Verteidigungs- und Sicherheitsforschung (INDSR) in Taiwans Hauptstadt Taipeh. Penghus strategische Bedeutung nehme zu, sagt er: "Peking könnte hier Artillerie und Langstrecken-Raketen stationieren und von dort Taiwan direkt angreifen." Wer Shen im Moment Sorge bereitet, sind die USA.

Obwohl US-Präsident Trump ein sehr energischer Staatschef ist, haben wir in Bezug auf die Taiwan-Frage noch nie gehört, dass er gesagt hätte, er würde Taiwan in Zukunft unterstützen oder zu Hilfe kommen.

Dr. Shen Ming-Shih, Militärexperte in Taiwan

Die USA und Taiwan unterhalten keine formellen diplomatischen Beziehungen. Ein offizielles Verteidigungsbündnis gibt es ebenfalls nicht, allerdings ein US-Gesetz, den "Taiwan Relations Act", aus dem Jahr 1979. Es sichert Taiwan das Recht auf Selbstverteidigung zu und regelt Waffenlieferungen, wie den jüngsten 14 Milliarden US-Dollar schweren Waffendeal.

Er wurde zwar bereits Anfang des Jahres beschlossen, aber im Mai aufgrund des Iran-Kriegs pausiert. Am Dienstag kündigte der republikanische Abgeordnete Michael McCaul an, der Waffendeal werde bald an den US-Kongress übergeben.


In Taiwan wächst die Skepsis gegenüber dem großen, inoffiziellen Sicherheitspartner. Wir treffen auf Penghu Kapitän Wang, der seit fast 40 Jahren mit seinem Fischerboot auf See fährt. Nach seiner Beobachtung werden Pekings Schiffe immer mehr, sie kämen immer näher. Erst vor Kurzem hat er ein Video von einem Kriegsschiff der chinesischen Marine gefilmt.

Es war bewaffnet. Natürlich macht einem das Sorge. Manchmal schleppen sie Schiffe zum chinesischen Festland, manchmal verhaften sie Dich und halten Dich fest.

Wang Chun-Yung, Kapitän aus Penghu

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Trumps Ankündigung, sich mit Taiwans Präsident auszutauschen, riskiere das wenige, was er in Peking erreicht hätte, sagte ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen im Mai.

15.05.2026 | 2:04 min

China erhöht Druck - Taiwan berichtet von Cyberattacken

Peking erhöht zurzeit den Druck, im Wasser mit Schiffen, in der Luft mit Kampfjets, die regelmäßig die Mittellinie der Taiwanstraße überqueren, aber auch mit Grauzonen-Taktiken: Taiwans Regierung berichtet von permanenten Cyberattacken sowie von wiederholten Schäden an Unterseekabeln.

Beobachter halten es für möglich, dass Peking den Druck auch mit Blick auf die Regionalwahlen in Taiwan im November erhöht, um ein günstiges Abschneiden der Oppositionspartei KMT zu erreichen. Diese befürwortet traditionell engere Beziehungen und mehr Dialog mit Peking als die regierende DPP.

China warnt vor „Einmischung in Taiwan-Konflikt“

Zu Taiwan "schlägt Peking wirklich neue Töne an", und China sei bereit, auch Gewalt anzuwenden, sagt Mikko Huotari, Direktor des Mercator Institut für Chinastudien.

15.05.2026 | 5:03 min

Xi Jinping, Staats- und Parteichef der Volksrepublik China, machte erst Anfang Juli in seiner Rede auf dem 105. Gründungstag der Kommunistischen Partei Chinas deutlich, dass die so genannte "Wiedervereinigung" mit Taiwan sein persönliches Ziel ist.

Die Lösung der Taiwan-Frage und die vollständige Wiedervereinigung des Mutterlandes sind eine historische Mission und unverrückbare Verpflichtung der Kommunistischen Partei.

Xi Jinping, Staats- und Parteichef der Volksrepublik China

Prof. Dr. Sebastian Heilmann von der Uni Trier

Im Konflikt um Taiwan gehe es China nicht nur um seine Wirtschaft, sagt Prof. Heilmann. China könne auf Zeit spielen.

14.05.2026 | 15:49 min

Taiwan trainiert für Ernstfall

Ob diese Einverleibung mit Gewalt erfolgen wird oder nicht, ließ er diesmal offen. Die Volksrepublik kämpft zurzeit mit wirtschaftlichen Problemen und einer hohen Jugendarbeitslosigkeit. Peking ist auf Exporte angewiesen, um den schleppenden Binnenkonsum auszugleichen. Einige Beobachter gehen deshalb nicht davon aus, dass Xi Taiwan unmittelbar angreifen lässt. Zu groß die Gefahr, wichtige westliche Absatzmärkte und Handelspartner wie die USA und die EU zu verlieren.

Staatschefs Kim Jong Un und Xi Jinping vor chinesischen und nordkoreanischen Flaggen

Warum Xi im Juni zu Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un gereist ist und welche Ziele er verfolgt, hat ZDFheute live analysiert.

08.06.2026 | 26:57 min

Ab heute trainieren Militär und Bevölkerung in Taiwan für zehn Tage in der jährlichen Übung "Han Kuang", wie sich jeder zu verhalten hat, wenn die Volksrepublik China eines Tages angreift. In diesem Jahr übt nicht nur das Militär mit scharfer Munition. Am 10. und 13. August soll in insgesamt 14 Städten und Landkreisen das mobile Internet 30 Minuten lang gedrosselt werden. Dies soll Sabotageakte, Cyberangriffe und Katastrophen simulieren. "Han Kuang" ist für Taiwans Bevölkerung mittlerweile Routine, doch die Kriegsgefahr ist auch im Alltag auf dem Inselidyll Penghu allgegenwärtig.

Taiwanesische Frau übt mit Softair-Gewehr das Schießen für den Ernstfall

In Taiwan bereiten sich Privatpersonen auf den Tag X vor, an dem China das Land überfallen könnte. Haku ist eine von ihnen.

11.05.2026 | 1:35 min

Elisabeth Schmidt ist Ostasien-Korrespondentin und arbeitet im ZDF-Studio Peking.

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Über dieses Thema berichtete das ZDF-Morgenmagazin am 05.08.2026 ab 5:30 Uhr.

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