EU-Gipfel: Viele Fragen um Ukraine-Hilfen und EU-Haushalt

Staats- und Regierungschefs in Brüssel:Der Gipfel der vielen Fragezeichen

von Julia Rech und Ulf Röller

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Zwei Tage saßen die EU-Regierungschefs zusammen - auf der Suche nach Lösungen für zwei große Fragen: Wie viel Geld gibt Europa die nächsten Jahre aus? Wie weiter mit der Ukraine?

Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, spricht bei einer Pressekonferenz beim EU-Gipfel.

Die Ukraine braucht weitere Milliarden für Verteidigung und Staatsausgaben. Die EU hatte für 2026 und 2027 90 Milliarden Euro bereitgestellt. Laut Kiew reicht das nicht.

16.10.2026 | 1:47 min

Gipfel-Beobachtung verlangt ähnliche Fähigkeiten wie beim Tierfilmen. Man muss geduldig warten, bis das Großwild auf die Lichtung tritt. Genau hinsehen und zuhören - das hilft zu verstehen. Um kurz vor 9:30 Uhr morgens schritten Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, EU-Ratspräsident António Costa und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj den roten Teppich Richtung Journalisten ab.

Costa sagte zu Beginn eine scheinbare Selbstverständlichkeit, die wohl nicht mehr selbstverständlich ist:

Unsere Botschaft ist sehr einfach. Jetzt ist nicht die Zeit, der Ukraine die Unterstützung zu entziehen.

EU-Ratspräsident António Costa

Geübte Gipfelbeobachter wissen: Costa meinte damit nicht nur US-Präsident Donald Trump, sondern auch die Zweifler in den eigenen Reihen. Ohne Amerika die Ukraine zu unterstützen, lässt manchen in der EU mulmig werden. Könnte die Aufgabe für die EU zu groß sein?

Schaltgespräch zur Finanzierungsnot der Ukraine

Für die Verteidigung gegen Russland und den Staatsbetrieb braucht die Ukraine mehr Geld. ZDF-Korrespondent Ulf Röller berichtet.

16.10.2026 | 1:48 min

Selenskyj wirbt um Vertrauen und Geld

Selenskyj weiß um die Sorgen und versucht es mit einem Lockruf. Er sei hierhergekommen, sagt er, um mit "real leadern", echten Staatsmännern, zu sprechen. Die Spitze gegen Trump konnte sich der Ukrainer nicht verkneifen.

Trump hat es seit Tagen auf den ukrainischen Präsidenten abgesehen: "Ich finde es schwieriger, mit Selenskyj zu verhandeln, als mit Putin." Untermauert werden diese Aussagen mit dem Verdacht, dass Trump Selenskyj lebenswichtige Geheimdienstinformationen vorenthält. Damit ist die Ukraine russischen Luftangriffen weitgehend hilflos ausgeliefert.

Oberst Reisner vor einer Karte der Ukraine.

Das Verhältnis zwischen den USA und der Ukraine bleibt angespannt. Starshield wurde gedrosselt und Selenskyj kritisiert Trump öffentlich. ZDFheute live analysiert die Hintergründe.

15.10.2026 | 31:25 min

Ukraine schockt EU mit Milliardenforderung

Es sieht schlecht aus für die Ukraine. Ein brutaler Winter steht bevor, der Verrat von Trump, die täglichen russischen Angriffe auf die Hauptstadt Kiew - und nun droht der Ukraine das Geld auszugehen, obwohl Europa schon mit vielen Milliarden hilft. Aber die Ukrainer sprechen von einer Finanzierungslücke im nächsten Jahr von knapp 65 Milliarden Euro. Eine Zahl, die auf dem Gipfel kleine Schockwellen auslöste. Wie bitte? 65 Milliarden? Wirklich?

"Wir haben viele Zahlen gehört, die herumschwirren", erklärt der österreichische Bundeskanzler Stocker. Er gibt die Skepsis unter seinen Kollegen wieder. Die Kommission soll jetzt prüfen, wie diese Summe zustande kommt. Selenskyj nennt vor allem zwei Gründe: Die Länge und Härte des Krieges und die höhere Besoldung der Soldaten, sonst ließe die Kampfmoral nach.

EU-Gipfel

Beim EU-Gipfel in Brüssel ist noch kein Kompromiss zum künftigen EU-Haushalt in Sicht. Kanzler Merz und weitere Länder fordern Kürzungen, andere Staaten lehnen diese ab.

16.10.2026 | 2:01 min

Solche Finanzlücken sind schlecht für die Moral in der EU. Sie lassen die Zweifel an der Ukraine-Strategie wachsen. Als Selenskyj den Sitzungssaal des Gipfels betritt, sitzen alle Regierungschefs bereits. Die Regie wollte ihm einen großen Auftritt bescheren. Umarmung mit Merz, seinem wichtigsten Unterstützer, mit den Balten, die fürchten, die nächsten Opfer russischer Aggression zu sein. Auch sehr herzlich. Nur ein kurzes Händeschütteln mit dem Slowaken Fico, einem großen Kritiker der Ukraine-Strategie. Der geübte Gipfelbeobachter versteht solche Gesten.

Bedrohliche Lage nach Wegfall der US-Hilfen

In der Pressekonferenz ließ Selenskyj keinen Zweifel, wie bedrohlich die Lage nach einem Ausfall der USA ist. Und er verband die Analyse mit einer Warnung an die EU. Fällt die Ukraine, drohen "20 Millionen Flüchtlinge" sich Richtung Westen aufzumachen. Nur mit mehr Waffen und mehr Europa sei das zu verhindern. Außer netten Worten der Solidarität nimmt Selenskyj aber noch nichts Konkretes mit.

Von links: Mareike Müller, Johann Wadephul, Maybrit Illner, Peter R. Neumann, Ralf Stegner

Zu Gast: Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU), SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner, Sicherheitsexperte Peter R. Neumann, Ukraine-Expertin Mareike Müller und Claudia Wittig (BSW-Sachsen-Anhalt).

15.10.2026 | 62:46 min

Vor allem weil noch ein anderes Thema die EU fesselt - der eigene Haushalt. Die Mitgliedstaaten streiten sich heftig, wie viel sie ausgeben wollen und für was. Alle Blicke gehen nun auf Merz. Deutschland ist der größte Unterstützer der Ukraine und gibt das meiste Geld in den EU-Haushalt.

Die anderen erwarten, dass der Bundeskanzler durch die Krise führt. Er solle mehr europäisch als deutsch denken, heißt es. Das heißt mehr Geld für die EU und die Ukraine. Nicht einfach - angesichts der innenpolitischen Lage.

Merz will "versuchen, Europa zusammenzuhalten"

Merz spürt die Last des Amtes. Bei seinem Auftritt beim Gipfel sprach er von seinen politischen Anfängen vor mehr als 30 Jahren im Europa-Parlament. Und dann fiel wieder so ein Satz, der Gipfelbeobachter aufhorchen ließ: "Ich werde versuchen, Europa zusammenzuhalten." So viel Krise war selten.

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Über das Thema berichteten verschiedene Sendungen, unter anderem heute in Europa am 16.10.2026 ab 16:00 Uhr.

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