Iran will Straße von Hormus öffnen:Trump verschiebt Ultimatum - Konflikt vertagt, nicht gelöst
von Katharina Schuster, Washington D.C.
Präsident Trump verschiebt die Entscheidung über Krieg oder Deeskalation. Warum die befristete Waffenruhe in Iran keine Lösung ist und was politisch für ihn auf dem Spiel steht.
US-Präsident Trump hatte Iran am Dienstag erneut gedroht: Der Untergang einer gesamten Zivilisation stehe bevor.
07.04.2026 | 2:39 min"Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht sterben und nie mehr zurückkehren", schrieb Donald Trump auf seiner Plattform "Truth Social". Die Drohung war an ein Ultimatum geknüpft: Sollte Iran die Straße von Hormus nicht öffnen, würden die USA reagieren.
Im Umgang mit anderen Staaten gehören Ultimaten und Drohungen wie diese zum festen Repertoire des US-Präsidenten. Häufig zieht er sie in letzter Minute zurück und erklärt einen Erfolg oder eine Einigung.
Genau das ist nun geschehen: Trump verschob die Frist um zwei Wochen und vertagte damit die Entscheidung über eine neue Dynamik im Krieg oder Deeskalation.
Kurz vor Ablauf des Ultimatums um 2 Uhr deutscher Zeit verkündeten beide Seiten eine Einigung auf eine zweiwöchige Waffenruhe.
Vor Ablauf des Ultimatums: Angriffe auf Iran
Die Straße von Hormus ist für den globalen Öl‑ und Gashandel von zentraler Bedeutung. Während der jüngsten Eskalation war die Meerenge faktisch von Iran blockiert, die Ölpreise stiegen deutlich an. Nun kündigte Irans Außenminister Abbas Araghtschi an, für zunächst zwei Wochen eine sichere Durchfahrt zu gewährleisten.
Zuvor hatten US‑Streitkräfte Iran noch großflächig angegriffen. In der sicherheitspolitischen Debatte werteten Fachleute wie der Politikwissenschaftler Carlo Masala von der Universität der Bundeswehr das Vorgehen als eskalierend, teils sogar als "Kriegsverbrechen mit Ankündigung".
Entsprechend vorsichtig fällt auch die Einordnung der aktuellen Vereinbarung aus. "Die jetzige Waffenruhe sollte analytisch nicht als belastbare Deeskalation gelesen werden, sondern als konditionierte Unterbrechung in einem weiterhin hochfragilen Konflikt", schätzt Claudia Hofmann, Politikwissenschaftlerin an der "American University" in Washington, ein.
In seiner Rede an die Nation forderte Trump Nato-Partner zur Sicherung der Straße von Hormus auf. Die Kriegsziele gegen den Iran sieht er als fast erreicht. Viele Fragen bleiben offen.
02.04.2026 | 2:07 minDiese Folgen hat die Verschiebung für Iran
Für Iran bedeutet die Waffenruhe vor allem eine befristete Atempause, erklärt Hofmann.
Die vorübergehende Aussetzung weiterer Angriffe sei an Bedingungen geknüpft, darunter die sichere Passage durch die Straße von Hormus, und soll Raum für weitere Verhandlungen schaffen.
US-Präsident Trump droht, Irans Zivilisation auszulöschen, sollte die Straße von Hormus nicht geöffnet werden. Doch bereits vor Ablauf des Ultimatums greifen USA und Israel Ziele in Iran an.
07.04.2026 | 2:00 min"Kurzfristig senkt das das Risiko neuer unmittelbarer Zerstörung und verschafft Teheran Spielraum, militärische und wirtschaftliche Schäden zu begrenzen", so die US-Politikwissenschaftlerin. Der innenpolitische und ökonomische Druck bleibe jedoch hoch.
Die Waffenruhe stabilisiert die Lage damit allenfalls vorübergehend und beseitigt weder die strukturelle Verwundbarkeit des Landes noch das Risiko einer erneuten Eskalation.
Claudia Hofmann, US-Politikwissenschaftlerin
Diese Folgen hat die Verschiebung für die USA
Für die USA lägen die Folgen vor allem im strategischen und wirtschaftlichen Bereich, bilanziert Politologin Hofmann.
Reuters zufolge reagierten die Märkte auf die Waffenruhe mit Erleichterung, nachdem die Krise um Hormus die Energiepreise, Inflationssorgen und die globale Risikowahrnehmung verschärft hatte.
Seit sieben Tagen dürfen Tankstellen ihre Preise nur noch einmal täglich erhöhen. Dennoch steigen die Preise weiter, nun werden weitere Maßnahmen diskutiert.
07.04.2026 | 2:25 minDiese Folgen hat die Verschiebung für die Welt
International untergrabe Trumps Vorgehen vor allem das Vertrauen in die USA, sagt Politikwissenschaftler Jack Janes. Ihre Außenpolitik wirke unberechenbar und stark von den persönlichen Entscheidungen des Präsidenten abhängig.
Viele Staaten könnten daraus schließen, dass die USA langfristig kein verlässlicher Partner seien.
Rivalen wie China und Russland könnten das nutzen - vor allem, wenn Washington weiter im Nahen Osten gebunden ist und dadurch an anderer Stelle an Einfluss verliert.
Jack Janes, German Marshall Fund
Noch vor Ablauf des Ultimatums von US-Präsident Trump gibt es Angriffe auf Iran. Die ZDF-Korrespondenten David Sauer und Phoebe Gaa ordnen die Lage ein.
07.04.2026 | 2:14 minWas steht für Trump auf dem Spiel?
Die Begeisterung für den Krieg in Iran war in der amerikanischen Bevölkerung nie besonders groß. Dessen ist sich auch der US-Präsident bewusst.
Vor den Midterms, den Zwischenwahlen im November, birgt eine Eskalation das Risiko, kriegsmüde Wähler zu verlieren oder sie ganz von der Wahl fernzuhalten. Das könnte zu einer Verschiebung im US-Kongress zugunsten der Demokraten führen.
Zugleich würde sie den Demokraten neue Angriffspunkte liefern, erklärt Politikwissenschaftler Jack Janes im Gespräch mit ZDFheute. Trump selbst stehe zwar nicht auf dem Stimmzettel, doch seine Entscheidungen prägten den Wahlkampf der Republikaner.
Politologin Claudia Hofmann ergänzt gegenüber ZDFheute:
Für Trump steht damit zweierlei auf dem Spiel: Nach außen die Glaubwürdigkeit seiner Abschreckungspolitik, nach innen die Frage, ob er Härte demonstrieren kann, ohne die USA tiefer in einen kostspieligen und politisch riskanten Konflikt hineinzuziehen.
Claudia Hofmann, US-Politikwissenschaftlerin
Vor Ablauf des Ultimatums ordnete Politikwissenschaftler Thomas Jäger die Lage ein.
07.04.2026 | 4:33 minEntspannung, aber keine Entwarnung
Der Politikwissenschaftler und Terrorismusexperte Peter Neumann prophezeite im ZDF bei Markus Lanz, dass Iran ohne wirklichen Regimewechsel weiterhin eine geopolitische Gefahr sei: "Wenn dieser Konflikt endet, ohne dass es zu einem Regimewechsel kommt, dann werden wir als Ergebnis einen Iran haben, der verbittert ist, der nach wie vor militärische Fähigkeiten besitzt, der nach wie vor in der Lage ist, die eigene Bevölkerung zu unterdrücken, der noch paranoider ist."
Neumanns Ausblick: Iran verfüge weiterhin über angereichertes Uran und könne die Straße von Hormus kontrollieren. Selbst wenn die USA ihr Engagement beenden, würde Teheran die Passage wohl dauerhaft dominieren und nur Schiffe passieren lassen, die mit dem Regime kooperieren oder dafür zahlen.
Für den Moment gilt: Der Konflikt ist vertagt, nicht gelöst. Vermittler Pakistan lud die USA und Iran zu Gesprächen am Freitag ein, um über ein endgültiges Abkommen zu verhandeln. Spätestens in zwei Wochen wird erneut die Frage im Raum stehen, ob Trumps Drohungen doch noch Taten folgen.
Katharina Schuster ist Korrespondentin im ZDF-Studio in Washington D.C.
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